habe gestern eine rezension über den roman Rocktage geschrieben und hab mir besonders (haha) mühe gegeben… nein im ernst: ich hab mich schon n bisschen reingehängt und muss ehrlicherweise zugeben, dass ich einige wenige dinge aus dem internet geklaut habe – aber wirklich nur ein oder zwei details!!
sollte sich also jetzt jemand verletzt fühlen, weil ich ihn seines gedankeneigentums beraubt habe, dann möge die betreffende person sich bei mir melden und ich werde das irgendwie wieder gutmachen ^^
und hier für alle interessierten nun die rezension:
Rocktage, von Dana Bönisch
Rocktage sind jene unglaublichen Tage, an denen man das Leben spürt, an denen alles möglich ist. So sieht das jedenfalls Tobias Puck, der von anderen aufgrund seines Namens auf die Figur eines Shakespeare-Werkes reduziert wird. Was Puck jedoch wirklich stört, ist der Mangel solcher Rocktage und dass in seinem durchschnittlichen und doch so einzigartigem Leben „Gummispülhandschuhtage“ die Vormacht inne zu haben scheinen. Das will er ändern und Gwen, das Mädchen mit den Placebo-Augen, soll in diesem Vorhaben eine entscheidende Rolle spielen. Puck liebt sie vom ersten Moment an und er wartet auf Rocktage, die bestimmt bald wiederkommen und ihm das Gefühl des wahren Lebens wiedergeben würden. Als Puck jedoch erfährt, dass Gwen mit einem kleinkarierten BWL-Studenten liiert ist, steht für ihn die Welt Kopf und er gibt sich seinem Selbstmitleid hin, Emocore verdrängt die Sportfreunde und die Gummispülhandschuhtage kehren zurück, obwohl Puck bewusst wird, dass sie eigentlich nie weg waren. Nun beginnt ein Trip, dessen einziges Ziel das Loslassen und die Suche nach dem verlorenen Lebensgefühl ist. Puck will die Kulisse durchbrechen, will die Storyline seines Lebens selbst umschreiben. Schlussendlich wird ihm jedoch bewusst, dass auch er Teil der Kulisse ist und sie somit niemals durchbrechen wird. Für ihn gibt es nur noch eine letzte Möglichkeit alles zu ändern und allen, die glaubten, das Ende der Story bereits zu ahnen, eins auszuwischen…
Die Autorin Dana Bönisch, die 1982 in Frechen geboren wurde, studiert seit 2001 in Bonn Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte. Rocktage ist ihr erster Roman, mit dem sie bereits einen Erfolg auf voller Linie erzielte. Das Buch ist 159 Seiten stark und wurde in erster Auflage 2003 in Köln vom Verlag Kiepenhauer & Witsch gedruckt. Der Autorin gelingt es, den Leser an das Buch zu fesseln und sich mit der Hauptperson zu identifizieren. Tobias Puck befindet sich nämlich in einer Lebenslage, die wahrscheinlich jeder schon einmal durchgemacht hat oder zweifelsohne noch durchmachen wird, wobei sie den altbewährten Werther-Stoff geschickt mit der modernen Popkultur verbindet: Puck ist unsterblich in ein Mädchen verliebt, das unerreichbar scheint, da sie bereits vergeben ist und nicht daran denkt, ihre Beziehung hinzuschmeißen und mit Puck ein neues Leben zu beginnen – ganz so, wie es auch Werther lange vor seiner Zeit ergangen ist. Bönisch beschränkt sich jedoch nicht ausschließlich auf die Gefühlsduseleien zweier junger Menschen, sondern lässt auch die Sinnfrage nach dem Leben entscheidend mitwirken, sodass aus der Hauptperson ihres Buches ein labiler, von Sehnsüchten und Gefühlen geleiteter Student wird, der glaubt in den Augen eines wunderschönen Mädchens den Schlüssel zu nie endenden Rocktagen gefunden zu haben.
Mit viel Humor und reichlich Wortwitz erschafft Bönisch eine fremde Welt, die wir tagtäglich durchlaufen und schenkt dabei Dingen und Situationen Beachtung, die wir in der Hektik des Alltags oft übersehen oder die uns der Aufmerksamkeit nicht Wert scheinen. Dabei spielt die Autorin mit Metaphern und Symbolen, die manchmal etwas schwer verständlich sind, jedoch die Situation trefflich beschreiben, hat man einmal deren Sinn durchschaut. Wortkonglomerate wie „Gitarrenwandglücksschutzpanzer“ und Wortneukreationen wie „Es tropfte Sonnetropfen aus ihren Haaren“ sind dabei keine Seltenheit, sondern eher häufig. Auch die Tatsache, dass Puck mit den Fischstäbchen spricht, die gerade in seiner Pfanne brutzeln – und das auch noch auf Spanisch, lässt zwar einige Zweifel an dessen Geisteszustand aufkommen, stört jedoch nicht weiter. Auffallend sind zahlreiche Parallelen zu anderen Werken bzw. anderen Manschen. Am evidentesten ist dabei natürlich der Zusammenhang zwischen Puck und Goethes Werther, doch verfällt Puck, von der Liebe so eingenommen, auch in eine Sprachkrise, die so manchen Leser sehr an Hofmannsthal denken lässt. So behauptet Puck von sich selbst, er habe es verlernt neue Worte für Dinge zu finden, für die sein alter Wortschatz nicht ausreicht. In Puck’s Leben gibt es aber neben Gwen’s Placebo-Augen, dem fünften Element, der Musik, und seinem Freund Goethe, den er sich irgendwie nur einzubilden scheint und der ihn überallhin begleitet, auch noch die Kulisse, die ihn ständig und überall umgibt. Er fühlt sich nämlich, als wäre er nur Teil eines Theaters, eine Figur, eine Marionette, die nach den Regeln anderer Leute spielen muss, und ständig ist er umgeben von der Kulisse, die er nicht zu durchbrechen vermag – egal was er tut. Trueman lässt grüßen.
Das alles bildet einen durchwegs verrückten Charakter, der auf der Suche nach seinem verloren gegangenen Lebensgefühl, das eigentlich nie wirklich da war, über sämtliche Hürden geht, nur um am Ende trotz aller Bemühungen zu scheitern, so wie auch Werther gescheitert ist. Puck scheitert an der Gleichgültigkeit anderer Menschen, daran, dass allen anderen egal zu sein scheint, ob sie das Leben spüren oder nicht. Alleine schafft er es nicht, die Kulisse zu durchbrechen und ein erfülltes Leben voller Rocktage zu führen, und weil Gwen Teil der Kulisse ist, bricht für ihn eine Welt zusammen. Nicht die Tatsache, dass sie für ihn unerreichbar ist, nicht die Tatsache, dass sie einen anderen liebt, auch nicht die Tatsache, dass sie sich anscheinend mit ihrem gekünstelten Leben zufrieden gibt macht ihn so fertig, sondern die Tatsache, dass sie zu allem dazugehört, zu allem, dem Puck entfliehen wollte. Das verkraftet Puck nicht und sieht nur noch einen Ausweg, der indirekt mit der Befreiung von vier Fröschen aus einem Terrarium zusammenhängt…
Mir persönlich hat der Roman außerordentlich gut gefallen, da die vermittelten Gefühle authentisch wirken und da man sich gut mit Puck, der ein Leben abseits der normalen Welt führt, identifizieren kann. Ich würde das Buch jedem weiterempfehlen, denn sollte man solche Situationen nicht schon durchgemacht haben (und auch dann empfehle ich das Buch, weil es interessant ist, solche Dinge anhand eines fiktionalen Charakters zu rekapitulieren), dann wird man es früher oder später zwangsläufig tun. Und dann ist es gut zu wissen, dass man nicht alleine ist und dass es anderen genauso geht…